30 Jahre Freiwillige Selbstkontrolle. 30 Jahre auf Reisen. Ewige Passagen durch die Zentren und Ränder der Popkultur, permanente Veränderungen durch neue Transfers zwischen Gehörtem und Gelesenem. Querverbindungen entdecken, verquere Verbindungen erstellen. Angewandte fröhliche (Pop-)Wissenschaften als “lustbetonte Praxis” eines sich immer auch wieder selber In-Frage-Stellens. Pop als nie abgeschlossenes Projekt ebenso eklektischer wie camphafter Re-Signifizierungen von Pop. Das mag immer auch ein kokettes Spiel gewesen sein, aber es zeigt vor allem, wie F.S.K. ihren anti-essentialistischen Begriff von Dissidenz im Sinne von Camp entwickeln und als Pop-Diskurs weiterführen konnten. Zuerst als “Ja zur Modernen Welt” im Sinne einer politischen, später als “Tel Aviv” im Sinne einer nonverbalen Dissidenz. F.S.K. fanden sich 1980 ja nicht zusammen, weil es da einen Drang gab, unbedingt Musik zu machen oder sich auf der Bühne ausdrücken zu müssen. Als “ein Produkt” des Münchner Kunst-Fanzines “Mode & Verzweiflung” (bei dem u.a. auch Christoph Schlingesief beteiligt war) fungierten sie als “musikalischer Arm” dieser “bohemistischen Zeitschrift” und waren dabei immer schon ein Pop-Produkt, das mit und über andere Pop-Produkte kommunizierte, Diskurse daran erprobte und sie vorantrieb. Es gibt da ja diese berühmte Losung aus einem “Mode & Verzweiflung”-Heft von 1981: “Heute Disco, morgen Umsturz, übermorgen Landpartie. Dies nennen wir Freiwillige Selbstkontrolle.” Jetzt muss das aber erstens nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge stattfinden und passiert zweitens seit längerer Zeit bei F.S.K. sowieso gleichzeitig. Nur ist das früher vielleicht nicht so aufgefallen. Für F.S.K. definiert sich der Diskurs-Tanzboden als hedonistisches Treiben zwischen Denken und Tanzen, Tanzmusik und Denkmusik. Polkas als dekonstruktivistische transatlantische Identitätsdiskurse, Disco und House als queere “Gender Troubles”. Das “Kybernetische Prinzip der permanenten Revolte” sowie die wunderbare “Kraft der produktiven Missverständnisse” (also Musiken aus zweiter Hand nehmen und diese dann in den dritten Mund stecken) führten F.S.K. bei ihren Forschungsreisen nie x-beliebig von Post-Punk zu Rhythm & Blues, von Polkas zu Techno oder “From Disco to House”. So undurchdringlich die jeweiligen F.S.K.-Referenzhöllen auch erscheinen mögen, sie sind stets das Ergebnis genauer (teilnehmender) Fan-Beobachtungen. Diskursive Musik ist bekanntlich immer die beste Musik zum Diskurs. Wie das geht, zeigen F.S.K. beinahe exemplarisch. Die von Disko B’s Upstart nach durchaus persönlichen Vorlieben zusammengestellte 3-CD-Box ist daher auch weniger eine Best-Of-Compilation, sondern versteht sich eher als Sammlung quasi reaktivierender Blicke in jene sonischen Rückspiegel, die F.S.K. in den letzten 30 Jahren zusammengebastelt haben. by Didi Neidhart |
3-CD-BOXSET INCL. 76-PAGE BOOK + POSTER + PARTYPICKERS /
LIMITED EDITION OF 1.000 Herz aus Stein Moderne Welt Liebe tut weh Was kostet die Welt Viel zu viel Move ahead M wie München Flagge verbrennen Red Sonja Euro Trash Girl Tel Aviv Lost in Munich Haus der Kunst Swing to Bop Dr Buzzards Original ... Nokturn A taste of honey
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Tracklisting:
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Tourdates: BUBACK - MEHR ALS EINE HOLDING Do/03/02/11 Hamburg - Hafenklang* | Fr/04/02/11 Leipzig - Zentraltheater | Sa/05/02/11 München - Kammerspiele | Fr/18/02/11 Frankfurt - Mousonturm | Sa/19/02/11 Düsseldorf - Zakk | So/20/02/11 Berlin - HAU *ohne Die Goldenen Zitronen |
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