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STEREO TOTAL

LEBENSLAUF:
Irgendwann im Frühjahr 1993: Geburt in einem Supermarkt. Dort fuhren sich Brezel Göring und Françoise Cactus mit ihren Einkaufswägelchen über den Haufen. Als sie sich ein paar Tage später auf einen Kaffee verabredeten, stellten sie fest, dass sie beide ihr Brot mit dem Spielen von Popmusik nachgingen: Brezel tat das bei Sigmund Freud Experience, Françoise bei den Lolitas. Doch beide Bands waren mehr oder weniger am Ende. So beschlossen sie, nicht nur Haus und Hof zu teilen, sondern fortan auch gemeinsam und unter dem Namen Stereo Total Musik zu machen.

Juni 1993: Erster gemeinsamer Auftritt im Gartenhaus von Alex Chilton in New Orleans. Er war die Probe für einen Open-Mike-Abend in einem typischen New-Orleans-Tanzschuppen: Françoise spielte Schlagzeug auf mehreren Kartons, Brezel mit einer Gitarre aus Presspappe.

Juli 1993: Erster Berliner Auftritt auf der Insel der Jugend (mit Die Sterne, Das Neue Brot, Knarf Rellöm Sichtweise)

Juli 1994: Auftritt in der Kreuzberger Galerie Marsyas

Dezember 1995: Ausverkaufte Hafenbar, Berlin

1994-1996: Das erste Album "Ah Oh Ah". Francoise erklärte damals: "Wir vergreifen uns an tausend Stilen und machen irgendwelchen Scheiß damit". Wollte erst keiner haben, dann das süddeutsche Label Peace95.

1997: "Monokini". Erstes Album bei Bungalow. Stereo Total sind Gäste der Cardigans-Tour in Berlin.
Auch international tut sich jetzt was: besonders in Japan (über das Label Nippon Columbia) und in den USA (Bobsled). Erste Filmmusik für den deutschen Film „Der Strand von Trouville“

1998: "Juke Box Alarm", das dritte Album. Mit "Supercool" und "Holiday Inn" hatten Stereo Total erstmals zwei Welthits. Eine Japan- und lange USA-Touren folgten. Die japanische Sängerin Kahimi Karie bittet Stereo Total, zwei Songs für ihre neue Platte „K.K.K.K.K.“ zu schreiben.

1999: "My Melody", das etwas unterbewertete vierte Album der Band erscheint. Manche sagen, es sei das beste, manche meinen, Stereo Total müssten einen Neuanfang wagen. Die beim dritten Album dazugekommenen Bandmitglieder Angie Reed und San Reimo verlassen Stereo Total wieder in Richtung unbestimmt und Jeans Team. Françoise Cactus und Brezel Göring beschließen, keinen Ersatz zu suchen. Noch mehr Hits mit "Ich liebe dich, Alexander", "I love you, Ono", "Ringo, I love you" und "Partir ou mourir", noch mehr Plattenverkäufe; zweite Welttournee: Russland, USA, Schweden, Dänemark, Frankreich.
Ausserdem: Analogue Baroque (das englische Label von Momus) übernimmt mit einer Best-Of Platte (Total Pop) den ersten Release in UK
Weitere Beteiligung an Soundtracks: „Tao of Steve“ (USA) und „Frau2 sucht HappyEnd“ (D-land)
Brezel Göring schreibt einen Song für die Peter Thomas Compilation „Warp Back To Earth“

2001: Veröffentlichungstermin des fünften Stereo-Total-Albums. Sein Titel: "Musique automatique". Eine sehr klare, sehr transparente und trotzdem sehr volle Produktion. So gut klangen Stereo Total auf Tonträger tatsächlich noch nie. Nie waren sie weiter entfernt von ihrem sympathisch schrottigem Lo-Fi-Garagensound, nie waren sie trotzdem näher an sich selbst. Früher hätte man gesagt: wertkonservativ aufgeschlossen. Heute sagt man: Alte Meister ganz neu und ganz groß. Möglich gemacht hat das der in Berlin lebende Elektronikmusiker Cem Oral (Jammin Unit, Air Liquide, Ultrahigh u.a.), den Françoise kennenlernte, als sie für dessen Bruder Khan zwei Stücke für sein "No comprendo"-Album sang. Brezel war einverstanden, dass Cem Oral die Produktion in seinem Studio in den Hackeschen Höfen übernahm und ihm (Brezel) dann mal zeigte, wo es in Sachen Aufnahmetechniken und Produktion auch langgehen kann. Besonderes Kennzeichen II: Hitmaschine Stereo Total. Der Titelsong, "Liebe zu dritt" und "Ma radio" gehen sofort und zeigen Brezel als strangen, aber bis ins Mark verfeinerten Elektronikbastler. Die Coverversionen im letzten Drittel sind genauso geschmackvoll wie ausgesucht wie High Energy, New Wave und Punkrock, und auch der Mittelteil mit den drei fast lupenreinen Chansons "Les chansons d'o", "Kleptomane" und "Adieu, adieu" greift bei jedem Hören mehr. Mit dieser Band lässt sich jeden Abend eine Pariser Kommune gründen, hat Kristof Schreuf gesagt. Mit dieser Band lässt es sich jeden Tag eine gute Berliner Zeit haben, sagt Alexander Oelsner. Kindheitserinnerungen und Liebslieder noch und nöcher. Keine Angst vor niemand, keine Macht den Räten, Schröders, Gysis oder Steffels, alle Zeit der Welt.
Die Platte kommt über Bungalow/Labels/EMI und in Amerika über die Independent-Institution Kill Rock Stars.

2002-2004
An der Tourfront tut sich Verrücktes. Stereo Total touren wochenlang durch die USA und kommen über Tijuana, Sao Paulo und St. Petersburg bis nach Singapur.
Nach fünf Alben scheinen Stereo Total endlich den lange verdienten Klassiker-Status erreicht zu haben. Und die young cats reissen sich um sie: The Strokes laden sie als Vorband ihrer Europa-Tournee ein und wenig später wollen Franz Ferdinand das gleiche (gehen allerdings leer aus)
In Berlin vertonen Stereo Total "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo".
Francoise Cactus veröffentlicht nach Autobiogophonie (1997), Abenteuer einer Provinzblume (1999), Zitterparties (2000) ihr viertes Buch „Neurosen Zum Valentinstag“ bei Rowohlt.

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